Denkmal in Neudorf-Süd - Friedhof Sternbuschweg

Denkmal Friedhof Sternbuschweg

Begründung
Duisburg, 31. März 2011 - Der vorliegende Unterschutzstellungstext, zu dem mit dem Landschaftsverband Rheinland das erforderliche Benehmen hergestellt wurde, benennt alle wesentlichen, das Denkmal konstituierenden Elemente und liefert die Begründung für die Unterschutzstellung im Sinne von § 2, Abs. 1 DSchG NRW: „Denkmäler sind Sachen, Mehrheiten von Sachen und Teile von Sachen, an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht.
Ein öffentliches Interesse besteht, wenn die Sachen bedeutend für die Geschichte des
Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse sind und für die Erhaltung und Nutzung künstlerische,
wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen.“
Das v.g. Denkmal wird in die Denkmalliste mit den folgenden Angaben eingetragen:
Kurzbeschreibung des Denkmals
Friedhof Sternbuschweg
Grundstück: Sternbuschweg 295 47057 Duisburg - Gemarkung: Flur: Flurstück(e):

Darstellung der wesentlichen charakteristischen Merkmale des Denkmals
Entstehungsgeschichte:
In der Zeit von Juli bis September 1866 wurde Duisburg, wie auch andere Gebiete
Deutschlands, von einer Cholera-Epidemie heimgesucht. Im Zuge dieser Krankheitswelle
erkrankten 409 Bürger, von denen 148 der Krankheit erlagen. Besonders hoch war die
Mortalitätsrate in Vierteln mit schlechten Wohn- und Hygieneverhältnissen, wie etwa in
Kasslerfeld oder im Öderich.
Die Einwohnerzahl der Stadt lag in diesem Jahr bei 22 887 Einwohnern, von denen 796
verstarben; im Jahr zuvor wurden bei einer Bevölkerung von 22 207 Einwohnern 652
Todesfälle verzeichnet, ohne dass es zu einer wie auch immer gearteten Krankheitswelle oder Epidemie gekommen war. Es war daher nicht auszuschließen, dass bei einem Wiederaufleben der Epidemie der vorhandene Platz für Bestattungen auf den bestehenden städtischen Friedhöfen nicht mehr ausreichen würde, weshalb die Stadtverwaltung sich gezwungen sah, nach einem alternativen Begräbnisplatz zu suchen.
Das einzige Gelände, welches noch nicht für Bebauungszwecke vorgesehen oder durch
Überschwemmungen gefährdet und zugleich zu Bestattungszwecken geeignet war, lag auf einem Heidestreifen zwischen dem Stadtgebiet und dem Stadtwald, der sogenannten Neudorfer Heide. Dieses als „Duisburger Gemeinheit“ bezeichnete Gelände befand sich im gemeinschaftlichen Besitz der ehemaligen Waldnutzungsberechtigten, die ihre Rechte an der Nutzung des Stadtwaldes an die Kommune abgetreten hatten und dafür von der Stadt mit Grundstücken auf diesem Gelände entschädigt wurden. Auf diesem Terrain erwarb der damalige Bürgermeister Otto Keller, durch einen Beschluss der Stadtverordneten-Versammlung vom 18.9.1866 legitimiert, zur Anlage eines neuen Begräbnisplatzes ein Gebiet von etwa 19ha zu einem Preis von 7643 Talern, wie aus dem im Stadtarchiv Duisburg verwahrten Kaufvertrag vom 28.9.1866 hervorgeht.

Eine Friedhofskommission, bestehend aus Bürgermeister Keller, Arnold Böninger, Julius
Brockhoff, Julius Curtius und dem damaligen Stadtbaumeister Roudolf, besichtigte zunächst den Friedhof in Krefeld, woraufhin der Stadtbaumeister den Vertretern der Duisburger Gemeinden einen ersten Entwurf für den neuen Friedhof vorlegte. Dieser Plan sah eine Unterteilung des erworbenen Geländes, welches die Form eines Dreiecks hatte, durch zwei sich kreuzende Hauptwege vor, die zusammen die Form eines griechischen Kreuzes mit annähernd gleich langen Kreuzarmen bilden; an deren Schnittpunkt im Zentrum des Geländes sollte die Trauerhalle mit der Wohnung des Friedhofaufsehers errichtet werden.
Auch war vorgesehen, die verschiedenen Konfessionen nicht mehr auf getrennten
Grabfeldern zu bestatten, lediglich bei der Frage der Beisetzung von jüdischen Toten zeigte sich die Kommission gespalten. So war ein Teil dafür, die Juden auf einem eigens dafür vorgesehenen Areal, welches jedoch nicht durch eine Umzäunung vom restlichen Teil des Friedhofs getrennt werden sollte, während der andere Teil der Kommission dies nicht für angebracht hielt. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Moses Levy, äußerte sich nach Rücksprache mit seiner Gemeinde vor der Friedhofskommission dahingehend, dass die jüdischen Ritusgesetze eine gemeinsame Bestattung nicht ausschließen, weiterhin sei eine Umzäunung der jüdischen Gräberfelder zwar wünschenswert, jedoch nicht zwingend notwendig.
In einer Besprechung mit Bürgermeister Keller, dem Stadtbaumeister und der übrigen Friedhofskommission erklärten sich die Gemeindevorsteher dann auch mit der Neuanlage und dem vorgelegten Entwurf grundsätzlich einverstanden. In einer späteren Schlussbesprechung sprachen sich Pfarrer Ohlhues, der Vorsteher der größeren evangelischen Gemeinde, und Inspektor Engelbrecht im Namen der von ihnen vertretenen Gemeinden jedoch gegen das geplante Projekt aus, da der geplante Standort zu weit von der Stadt entfernt liege, wodurch der Leichenkondukt und die kirchliche Begräbnisfeier in der gewohnten Form nicht mehr durchführbar wären. Des Weiteren erklärten sie, dass ihr Einverständnis in der in der ersten Besprechung sich lediglich auf den Planungsentwurf, jedoch nicht auf die Lage des geplanten Friedhofs bezogen habe.
Im Gegensatz dazu hielten die Vertreter der kleineren evangelischen und der katholischen Gemeinden an ihrer Zustimmung zu dem Projekt fest.
In seiner Eingabe an die Regierung in Düsseldorf, in welcher er um die Genehmigung der neuen Friedhofsanlage nachsuchte, führte Bürgermeister Otto Keller alle Argumente, die für die Ausführung des Planes sprachen, ausführlich auf. So argumentierte er, dass auf Grund der gestiegenen Bevölkerungszahlen und somit der Todesfälle die momentan vorhandenen Begräbnisplätze in absehbarer Zeit nicht mehr ausreichen würden. Weiterhin bestätigte er der Regierung gegenüber, dass der geplante Friedhof von der Stadtmitte aus weiter entfernt liege als der bisher genutzte Begräbnisplatz, gleichzeitig verwies er jedoch darauf, dass nur für etwa die Hälfte der Bevölkerung des Stadtbezirks die Entfernung größer sei, wohingegen für die Bevölkerung von Duissern und Neudorf die Entfernung gleich bliebe. Für die Einwohner von Hochfeld und Wanheimerort verringere sich sogar die Entfernung. Dabei sei zu bedenken, so Kellers Argumentation, dass sich die wahrscheinliche zukünftige Ausdehnung der Stadt auf dem Gebiet der letztgenannten Stadtteile vollziehen werde.
Dem Argument des Pfarrers Ohlhues hielt er dabei entgegen, dass die Leichenrede im
Sterbehaus oder in der Kirche gehalten werden könne, zudem sei es der Gemeinde
zuzumuten, dem Pfarrer eine Droschke zur Verfügung zu stellen. Schließlich verwies er noch darauf, dass der geplante Standort wesentlich ruhiger und für Andacht und Begräbnisfeier viel besser geeignet sei als der momentan genutzte Friedhof, da dieser an einer verkehrsreichen Strasse läge, wodurch der Leichenzug und die Begräbnisfeier durch den Lärm und die Hektik der Strasse und die zahlreichen neugierigen Gaffer beeinträchtigt würde.
Aufgrund der hier angeführten Argumente genehmigte die Landesregierung in Düsseldorf im Oktober 1867 das Bauvorhaben, woraufhin Bürgermeister Keller bekannt machen ließ, dass Erdgrabstellen auf dem alten Friedhof vor dem Kuhtor gegen Grabstellen auf dem geplanten Friedhof eingetauscht werden können. Für ein nicht besetztes Erdgrab sollte man die doppelte Anzahl an Grabstellen als Entschädigung erhalten, für jedes bereits belegtes Grab erhielt man einfachen Ersatz. Im Zuge der offiziellen Eröffnung des Friedhofs am 2. August 1871 wurde dieses Angebot erneut bekannt gegeben, war jedoch bis auf den 15. August 1871 befristet.
Die größere evangelische Gemeinde war jedoch weder bereit, ihren Widerstand gegen das Friedhofsprojekt aufzugeben, noch die Kosten für die Anlage eines eigenen Friedhofs aufzubringen. Daher wandte sie sich im März 1868 mit dem Vorschlag an die
Landesregierung in Düsseldorf, den alten Friedhof weiter für ihre Zwecke nutzen zu können, dieser wurde jedoch seitens der Landesregierung abgelehnt. Daraufhin beteiligte sich auch die Gemeinde von Pfarrer Ohlhues weiter an der Planung für den neuen Friedhof.
Zunächst musste das von der Stadt erworbene Gelände für seine spätere Nutzung
vorbereitet werden. So wurde das Buschwerk gerodet, die Heide abgeplaggt und
Mutterboden zur Verbesserung des sandigen Bodens herangeschafft. Weiterhin wurden 11 348 qm Rasen eingesät, 1035,75 m Hecke gesetzt und 1 864 Bäume gepflanzt, wie aus einer Zusammenstellung des Stadtbauamtes vom 2.2.1874 hervorgeht.
Der endgültige Plan für den Friedhof wurde Anfang des Jahres 1870 nach der Vorlage des Stadtbaumeisters W. Schultz beschlossen. Dieser unterschied sich nicht wesentlich von dem bereits 1867 vorgelegten Plan: Das dreieckige Friedhofsareal sollte durch zwei sich kreuzende Hauptwege geteilt werden, an deren Schnittpunkt in der Mitte der Anlage war auf einem erhöhten Platz die Friedhofskapelle vorgesehen. Die Räume für die Aufbahrung der Verstorbenen und die Wohnung des Friedhofwärters sollten unter der Kapelle angelegt werden. Das Friedhofsgelände sollte zwei Haupteingänge erhalten, den einen zur Stadtseite, den anderen zum Stadtwald hin. Auf dem Gelände befand sich noch eine größere Zahl frühzeitlicher Grabhügel, die eingeebnet und deren Erdmassen zur Verbesserung des Bodens verwendet wurden. Lediglich der größte dieser Grabhügel sollte als besondere Anlage am Eingang zur Waldseite erhalten bleiben und derart in die Gestaltung des Geländes mit einbezogen werden, dass zu beiden Seiten des Grabhügel je ein Torwärterhäuschen geplant wurde. Entgegen der ursprünglichen Planung wurden jedoch auf Betreiben des bischöflichen Vikariats die Grabfelder nach Konfessionen getrennt angelegt.
An dieser Praxis, die Angehörigen der verschiedenen Konfession auf unterschiedlichen
Grabfeldern zu bestatten, sollte noch bis weit in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts
festgehalten werden. Bei dieser Besprechung wurde auch eine Umzäunung des jüdischen Gräberfeldes endgültig abgelehnt. Während der Verlauf der zwischen 1869 und 1870 angelegten Wege und Alleen noch heute zum größten Teil zu erkennen ist, ist die ursprüngliche Anlage der Grabfelder in entscheidender Weise durch die Tatsache verändert worden, dass etwa seit dem Jahr 1895 alle Reihengräber für Erbbegräbnisse benutzt und entsprechend umgestaltet wurden.
Über die Inbetriebnahme des Friedhofs existieren verschiedene Angaben. So heißt es im
Verwaltungsbericht der Stadt Duisburg aus dem Jahr 1870, dass am 5. September 1870
sieben deutsche Soldaten, welche während des Krieges gegen Frankreich verletzt und im Duisburger Lazarett verstorben waren, auf dem Grabhügel am Eingang Waldseite zur letzten Ruhe gebettet wurden. Ein Ehrenmal auf dem Hügelgrab erinnert an diese Bestattung.
Eine weitere Angabe nennt den 12.2.1871, wie aus einem Schreiben des
Oberbürgermeisters an seinen Amtskollegen in Moers hervorgeht. Zu diesem Termin gibt es weiterhin keine Hinweise, der Grund für die Inbetriebnahme zu diesem Zeitpunkt könnte jedoch mit dem Auftreten der Pocken zusammenhängen, die durch französische
Kriegsgefangene eingeschleppt worden sein soll. Die feierliche Einweihung und damit die offizielle Inbetriebnahme des Friedhofs am Sternbuschweg fand dann am 2. August 1871 statt, wie aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Duisburg für das Jahr 1871 hervorgeht.
Die Eröffnung des neuen städtischen Friedhofs war auch der Anlass, das Bestattungswesen der Stadt Duisburg neu zu regeln. So wurde die Führung geordneter Grabregister eingeführt, was bis dahin nicht üblich war. Am 1.November des Jahres 1877 trat zudem die von der Stadtverordneten-Versammlung verabschiedete neue „Friedhofs-Ordnung der Stadt Duisburg in kraft, gleichzeitig wurde auch eine neue Gebührensatzung für die Totengräber und Friedhofsgärtner erlassen.

Errichtung der Friedhofskapelle und anderer Friedhofsbauten
Die Planung für den Friedhof sah von Anfang an ein zentrales Gebäude vor, in welchem die Trauerfeierlichkeiten abgehalten werden konnten und zudem Räumlichkeiten zur Aufbahrung bzw. Aufbewahrung der Leichname enthielt. Die Pläne für die auf einer eigens dafür aufgeschütteten Erhebung errichtete Kapelle, in deren Souterrain sich die bereits erwähnten Leichenkammern untergebracht wurden, sowie für die übrigen Friedhofsgebäude stammten aus der Feder von Stadtbaumeister W. Schultz. Es sind jedoch keinerlei Unterlagen mehr erhalten, die dokumentieren, welche Ideen und Beweggründe den Stadtbaumeister zu seinem Entwurf veranlassten.
Im Sommer des Jahres 1870 erhielt der Duisburger Unternehmer Joseph Schrey den
Auftrag für die Durchführung der Bauarbeiten, einschließlich der Lieferung der meisten
Baumaterialien. Dabei verpflichtete er sich dazu, die Bauten bis zum 30. November des
Jahres fertig zustellen.
Das erste fertig gestellte Friedhofsgebäude konnte 1872 bezogen werden. Als Ersatz für die nicht fertig gestellte Kapelle lieferte Schrey ein „provisorisches Lokal für Leichenrede“, ein kleines in Haus Fachwerkbau, welches am Hügelgrab am Eingang Kastanienallee aufgestellt wurde. Nach Vollendung der Kapelle wurde dieses Gebäude der Armenhausverwaltung geschenkt, die es als Armenarbeitshaus verwendete. Am Ende des Jahres 1874 war die Kapelle dann endlich fertig gestellt Die Totengräberwohnung, die in ihrem Baustil dem der Friedhofskapelle angepasst und in den gleichen Glasur- und Formsteinen ausgeführt war, wurde 1872 fertig gestellt.

Im März des Jahres 1889 wurden Pläne vorgelegt, unter der Kapelle eine dringend benötigte Wohnung für den Friedhofsaufseher zu errichten. Dieser Plan wurde jedoch vom Stadtbaurat abgelehnt. Der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg hielt eine Wohnung für den Aufseher jedoch für dringend notwendig. Daher gab er einen Entwurf für ein einfaches Hau am Eingang des Friedhofs am Sternbuschweg in Auftrag. 1890 konnte der Friedhofsaufseher seine Wohnung beziehen. Im Jahre 1912 wurde dieses Gebäude erweitert, um hier die Friedhofsverwaltung unterzubringen. Es war zuletzt so baufällig oder im Zweiten Weltkrieg so stark beschädigt worden, dass es abgerissen und in den Jahren 1948 bis 1950 an gleicher Stelle das neue Verwaltungsbüro nebst Wohnung für einen Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung errichtet wurde.

Die Erweiterung des Friedhofs 1905-1911
Trotz des bei der Einweihung des Friedhofs geäußerten Optimismus, einen Friedhof
angelegt zu haben, der voraussichtlich für alle Zukunft genügen würde, musste sich die
Stadtverwaltung bereits nach 20 Jahren Nutzung bereits mit der Erweiterung des Friedhofs befassen.
Es bot sich dabei das zwischen der Kastanienallee und dem Bahndamm gelegen
Waldgelände zur Erweiterung an. Dieses Gelände befand sich im Besitz der Familie Haniel die sich bereit erklärte Gelände für einen Preis von 8 000 Mark pro Morgen an die Stadt abzutreten. Da die Stadt jedoch nicht mehr als 2 000 Mark pro Morgen zahlen wollte, kam dieses Geschäft nicht zustande.
Eine Erweiterung des Friedhofs in andere Richtung war aufgrund der vorhandenen
Bebauung und der Bahndämme nicht möglich, weshalb nach einem geeigneten Gelände zur Neuanlage gesucht werden musste. Die Wahl fiel dabei auf ein Stück des Stadtwaldes, welches an der Lotharstrasse zwischen Kammerstrasse und Bahndamm gelegen war. Nachdem dieses Gebiet aufgrund neuer Eisenbahnpläne nicht mehr geeignet erschien, wurde über ein anderes Stück des Stadtwaldes, gelegen in der „Weddau“ hinter der Steinbruchstraße, diskutiert. Obwohl bereits 1896 von der Stadtverordneten-Versammlung der vorläufige Entschluss gefasst wurde, den neuen Friedhof im Stadtwald anzulegen, dauerte es bis zum Jahre 1905, ehe die endgültige Entscheidung fiel. Diese sah dann doch statt der Neuanlage die Erweiterung des Friedhofs um das Haniel’sche Grundstück vor.
Gegen die Anlage im Stadtwald sprach vor allem die Tatsache, dass das diskutierte Gelände zu nass bzw. zu sumpfig sei, eine Entwässerung wäre in diesem Fall technisch zu aufwendig und zu teuer gewesen. Als daher die Erben Haniel ihre Bereitschaft zum Verkauf des Grundstücks signalisierten, wurden die Planungen zum Friedhof im Stadtwald aufgegeben.
Am 21. März 1905 berichtete Heinrich d’Hone, ein Mitglied der Friedhofskommission, dass die Erben Haniel bereit seien, ein Gebiet in der Größe von ca. 44 Morgen zu einem
geringeren Preis an die Stadt zu verkaufen. Daraufhin beschloss das Stadtparlament am 31. Oktober 1905, auf das Haniel’sche Angebot einzugehen und das Gelände zu einem Preis von jetzt 4 000 Mark pro Morgen zu kaufen, um es für die Erweiterung des Friedhofs zu verwenden. Die Nutzung des auf dem Gelände vorhandenen Kiefernbestandes hielten sich die Verkäufer vor, da die Stadt nicht gewillt war 4 120,50 Mark für die Bäume zu bezahlen, weshalb diese bis zum Herbst 1906 von den Erben Haniel abgeholzt wurden. Dies stellte sich bei der späteren Gestaltung des neuen Friedhofsteils als Fehler heraus, da dadurch auf dem Gelände keinerlei höhere Vegetation mehr vorhanden war.
Der Erweiterungsteil wurde von der ursprünglichen Anlage durch die Kastanienallee
getrennt. Um nun beide Teile des Friedhofs zu einem einheitlichen Ganzen zu verbinden
beschloss die Stadt, die Kastanienallee als öffentliche Strasse aufzugeben und in die
Gesamtanlage zu integrieren. Zu diesem Zweck wurde der bis dahin sehr breite Weg derart verschmälert, dass er seinem neuen Zweck als einer der Hauptwege der Friedhofsanlage genügte. Die so gewonnene Fläche zusammen mit den Randstreifen wurde für die Anlage von neuen Begräbnisplätzen verwendet.
Auf diese Weise entstand auch auf dem Sternbuschweg eine sogenannte „Gründerallee“, d.h. eine Friedhofsallee, an der besonders aufwendige Grabanlagen angelegt wurden, eine für das ausgehende 19. und frühe 20. Jahrhundert typische Erscheinung besonders auf großstädtischen Friedhöfen. Da heute nur noch wenige dieser Grabanlagen erhalten sind, ist der ursprüngliche Charakter der Kastanienallee nicht mehr erkennbar.
Auf dem Erweiterungsteil waren zunächst nur Reihengräber vorgesehen. Die
Reihengrabstellen auf dem alten Teil des Friedhofs wurden nach und nach zu Erbgruften
umgewandelt, die Belegung des neuen Friedhofteils begann im August 1911. Eine
ursprünglich für den Erweiterungsteil geplante zweite Trauerhalle und ein Krematorium
wurden aus finanziellen Gründen nicht ausgeführt.
Durch die Umgestaltung des alten Friedhofteils und durch die Gestaltung des
Erweiterungsgeländes konnten nicht mehr alle Grabstätten, wie es überlieferte Tradition ist, in Ost-West-Richtung bestattet werden. Dieses Abweichen von der Tradition wurde jedoch von den Geistlichen beider christlichen Konfessionen sowie von der jüdischen Gemeinde aus gestalterischen Gründen akzeptiert.
Beschreibung:
Der alte Teil des Friedhofs Sternbuschweg erstreckt sich über ein annähernd dreieckiges
Gebiet auf dem Gelände der ehemaligen Neudorfer Heide. Gegliedert wird dieses Gebiet
von zwei Hauptachsen, die zusammen ein griechisches Kreuz mit gleichlangen Kreuzarmen bilden. Von diesen zweigen radial die Nebenwege ab. Am Schnittpunkt der beiden Hauptachsen befindet sich eine künstlich aufgeschüttete Erhebung, auf der sich die Friedhofskapelle als ideeller Mittelpunkt des Friedhofs befindet. Bei der Kapelle handelt es sich um einen Zentralbau in neugotischen Formen aus dem Jahr 1874. Er ist in Backstein ausgeführt, die bekrönende Kuppel ist mit Schiefer gedeckt. Der Innenraum ist hallenartig gewölbt (Kreuzrippengewölbe) mit einer zentralen Kuppel, die von vier Bündelpfeilern gestützt wird. Unter der Kapelle befinden sich die Räume zur Aufbewahrung von Leichnamen.  Diese sind ebenfalls mit einem gotischen Kreuzrippengewölbe überwölbt.
Hinter der Kapelle befindet sich das ehemalige Haus des Totengräbers, in welchem heute die Friedhofsverwaltung untergebracht ist. Dieses orientiert sich in seiner Gestaltung an die der Kapelle. So ist es ebenfalls in Backstein ausgeführt, zusätzlich weist es eine doppelte Stufengiebelfassade mit spitzbogigen Fenstereinfassungen in neugotischer Form auf.
Am ehemaligen Eingang an der Kastanienallee befindet sich ein frühgeschichtliches
Hügelgrab, auf dem sich ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten
befindet. Zusätzlich befand sich an dieser Stelle eine monumentale Toranlage, die im Jahre 1954/55 abgerissen wurde. Stattdessen befindet sich auf der einen Seite die in Backstein ausgeführte Arbeiterunterkunft aus dem Jahr 1954, welche 1971 durch einen weiteren Anbau erweitert wurde.
Der neue Teil des Friedhofs erstreckt sich auf dem Gebiet zwischen der Kastanienallee und dem Bahndamm. Dieses nahezu rechteckige Gelände wird durch radial angelegte Wege gegliedert. Dabei ist zu erwähnen, dass aus gestalterischen Gründen die traditionelle Ost –West – Orientierung zugunsten einer freieren Gestaltung des Geländes aufgegeben wurde.
Zwischen dem alten und dem neuen Friedhofsteil verläuft die Kastanienallee als eine Art
Magistrale. Diese ist als sogenannte „Gründerallee“ ausgebaut, d.h. an ihr reihen sich als eine Art sepulkraler Flaniermeile die repräsentativen Gräber einer selbstbewussten
bürgerlichen Gesellschaft.
Abgegrenzt wird das gesamte Gebiet des Friedhofs von einer Mauer aus Backstein, die in den Jahren 1954/55 errichtet wurde. Außerhalb des eigentlichen Friedhofgeländes am Eingang Sternbuschweg befindet sich das ehemalige Haus des Friedhofsaufsehers, in dem sich heute die Friedhofsverwaltung befindet. Bei diesem Gebäude handelt es sich allerdings um einen Wiederaufbau, da das im Jahre 1890 bezogene Gebäude im Zuge des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt und deshalb abgerissen werden musste. Der heutige Bau stammt aus den Jahren 1948-50.
Umfang des Denkmals
Das Denkmal „Friedhof Sternbuschweg“ umfasst den gesamten Friedhof wie beschrieben, seine Wegeführung, die Kapelle, Wirtschafts- und andere Nebengebäude, die Umfriedungsmauer, die frühgeschichtlichen Hügelgräber, sowie alle historischen Grabsteine (s. Anhang Fotodokumentation), die jüdischen Gräber und die Grabstätten bedeutender Duisburger Persönlichkeiten, insbesondere:
-
die Gruft der Familie Böninger
- die Grabstätten der Familie Carstanjen
- die Gräber von Carl Lehr,
- August Seeling,
- Wilhelm Curtius
- Johann Jacob vom Rath d.J.
- Julius Weber
- August Nieten
- Heinrich Averdunk
- Dr. Quintin Steinbart.

Bereits in die Denkmalliste eingetragene Teile des Denkmals „Friedhof Sternbuschweg“:
- Kapelle, lfd. Nr. 28 vom 13.03.1985
- Grabmal vom Rath, lfd. Nr. 62 vom 20.03.1985
- Grabmal Stallmann, lfd. Nr. 555 vom 02.11.2006
- Grabmal Müller, lfd. Nr. 566 vom 12.02.2007
- Grabmal Böninger, lfd. Nr. 612 vom 19.09.2010
 

Das Denkmal „Friedhof Sternbuschweg“ ist bedeutend für Städte und Siedlungen, hier
Duisburg-Mitte, da es die sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts verändernden
Begräbnissitten widerspiegelt. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurden Verstorbene in unmittelbarer Nachbarschaft der Salvatorkirche, auf dem sogenannten Kirchhof, beigesetzt und dokumentierten so ein enges Mit- und Nebeneinander von Lebenden und Verstorbenen.
Auf diesem Kirchhof war der Platz für Bestattungen aufgrund steigender Bevölkerungszahlen recht begrenzt, was ziemlich bald zu einer Überbelegung führte, weshalb zu Beginn des Jahrhunderts ein neuer Friedhof vor dem Kuhtor angelegt werden musste. Verursacht durch die Pockenepidemie des Jahres 1866 und dem daraus resultierenden verschärften Platzmangel für Begräbnisse reichte der Platz auf diesem Friedhof bereits nicht mehr aus, so dass der Friedhof bereits wenige Jahre nach seiner Anlegung wieder aufgegeben und ein neuer Platz für Beerdigungen auf dem Gebiet der Neudorfer Heide angelegt werden musste.
Daneben zeigt sich hieran auch die veränderte Einstellung zu Friedhöfen im Allgemeinen, welche ausgehend von Frankreich ihren Niederschlag in den josephinischen Reformen in Österreich und den betreffenden Bestimmungen im Allgemeinen Landrecht von 1794 in Preußen, zu dem die Stadt Duisburg damals gehörte, fanden. Diese Bestimmungen sahen eine Verlegung der Friedhöfe zugunsten der allgemeinen Hygiene vor das eigentliche Stadtgebiet vor. Durch diese Verlegung des Friedhofs in die „Weddau“ wurde zudem die städtebauliche Erschließung des Gebietes um den heutigen König-Heinrich-Platz, welches zuvor als Friedhof gedient hatte, ermöglicht.
Daneben dokumentiert der Friedhof Sternbuschweg durch die Vielzahl der sich dort
befindlichen Grabstätten bedeutender Duisburger Persönlichkeiten des 19. und 20.
Jahrhunderts, welche die Entwicklung der Stadt auf industrieller, kultureller oder politischer Ebene geprägt haben, einen Teil der Duisburger Stadtgeschichte.
Prüfung der Bedeutung für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse

Prüfung der künstlerischen Gründe für die Erhaltung und Nutzung
Durch seine parkähnliche Gestaltung und die zum Teil sehr aufwendige Gestaltung der
einzelnen Grabanlagen verdeutlicht der Friedhof am Sternbuschweg die Bestrebungen der bürgerlichen Gesellschaft der sozialen Selbstdarstellung über den Tod hinaus.
Das Nebeneinander von gestalterisch einzigartigen Grabanlagen, wie z.B. die Gruft der
Familie Böninger mit ihrer antikisierenden Formensprache oder das Ehrengrab von Carl Lehr unweit der Kapelle, und solchen, die im Zeitalter der zunehmenden Industrialisierung als Massenware einem sehr stereotypen Formenkatalog folgen, dokumentieren den gestalterischen und inhaltlichen Anspruch des Bürgertum, seinen sozialen Status durch das Medium der Kunst in Form von aufwendigen Grabsteinen, seien es nun aufwendige Einzelanlagen oder industriell gefertigte Serienware, darzustellen.
Prüfung der wissenschaftlichen Gründe für die Erhaltung und Nutzung
Für die Erhaltung und angemessene Nutzung liegen wissenschaftliche, hier kunst- und
baugeschichtliche, sozialgeschichtliche, kulturhistorische und stadtgeschichtliche Gründe
vor. Aus kunst- und baugeschichtlicher Perspektive spiegelt der Friedhof Sternbuschweg den Stilwandel und die Entwicklungsgeschichte der Sepulkralkunst wider. Neben Grabsteinen mit barocker Todesmotivik ( z.B. Steine auf Feld M1), welche nach der Auflösung des Friedhofs am Kuhtor, heute König-Heinrich-Platz, auf den neuen Friedhof am Sternbuschweg verbracht wurden, finden sich auch Grabmäler in historistischen Formen, aber auch solche mit einer reduzierten Formensprache im Sinne der Friedhofsreformbestrebungen in den 1920er Jahren.
Kulturgeschichtlich dokumentiert der Friedhof Sternbuschweg die Veränderungen der
Bestattungssitten und den daraus resultierenden Umgang mit dem Tod. Bedingt durch die Reformgesetze unter Joseph II: in Österreich und die entsprechenden Bestimmungen im Allgemeinen Landrecht in Preußen veränderte sich das Bestattungs- und Friedhofswesen radikal.
Da die Verhältnisse auf den traditionellen Kirchhöfen bisweilen katastrophale waren, erhoffte man sich seitens der politischen Entscheidungsträger durch die Anlage von großen kommunalen Friedhöfen außerhalb der dicht besiedelten Stadtkerne eine Verbesserung der hygienischen Bedingungen. Diese Idee vom Friedhof als einer kommunalen Fürsorgeeinrichtung stellt ihn als Bauaufgabe in eine Reihe mit vergleichbaren, dem Volkswohl dienenden Einrichtungen, wie etwa Rathäuser, Schulen, Krankenhäuser, Markthallen, Schlachthöfe oder Bahnhöfe, die entsprechend als repräsentative Bauwerke ausgeführt wurden. In ähnlicher Weise waren auch die Verwaltungs- und Abschiedsräume der neuen Friedhöfe gestaltet, da diese durchaus auch als Teil der kommunalen Identität verstanden wurden. Die Kapelle und die übrigen Gebäude auf dem Friedhof Sternbuschweg sind hierfür ein gutes Beispiel.

Durch die Übernahme des Bestattungswesens seitens der Kommunen ging der sakrale
Charakter der Friedhöfe zusehends verloren und wich einer zunehmenden sozialen
Selbstdarstellung der Angehörigen durch repräsentative Grabstätten für die Verstorbenen, wie auch die zum Teil äußerst aufwendigen Gräber am Sternbuschweg dokumentieren. Mit der Auslagerung der Friedhöfe sank auch die Besuchsfrequenz, da der Friedhofsbesuch nicht mehr automatisch mit dem Kirchgang verbunden war. Durch die Ausstattung der Friedhöfe mit modernen Leichenhäusern entfiel zudem die traditionelle Aufbahrung im Haus des Verstorbenen und der würdevolle Trauerzug zum Grab.
Dadurch entfernten sich der Tod und der Umgang mit diesem nicht nur räumlich von den Menschen, sondern auch aus der Alltäglichkeit der Begegnung mit diesem. Der Friedhofsbesuch setzte nun eine bewusste Entscheidung voraus, den Weg zum Grab auf sich zu nehmen. Durch diese Reformen veränderte sich die Trauerkultur in einer Art und Weise, wie sie in der langen Geschichte der Bestattungskultur nur selten zu beobachten ist. Dieser Bruch wird auch deutlich in der heftig geführten Diskussion um die Anlage des Friedhofs am Sternbuschweg.
Von sozialgeschichtlicher Bedeutung ist die Tatsache, dass auf dem Friedhof
Sternbuschweg neben den Angehörigen der beiden christlichen Konfessionen erstmals auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde gemeinsam auf einem Friedhof, wenn auch auf
getrennten Feldern, beigesetzt wurden. Dies stellt zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte der Stadt Duisburg ein Novum dar, wurden doch die Angehörigen der jüdischen Gemeinde bislang auf eigenen Friedhöfen abseits der christlichen Begräbnisstätten beigesetzt.

Prüfung der städtebaulichen Gründe für die Erhaltung und Nutzung
Folgende Gutachten, Quellen oder Literatur wurden bei der v.g. Prüfung der
Denkmaleigenschaften zugrunde gelegt:
Das Gutachten zur Überprüfung der Denkmaleigenschaften wurde von Herrn Reher am
21.08.2009 erstellt.
Folgende Literatur wurde zugrunde gelegt:
􀂃 Quellen Stadtarchiv Duisburg, Karmelplatz 5:
- 10/4827 Bau der Kapelle und sonstigen Friedhofsgebäude, 1870-1893
- 10/5346 Anlage eines neuen Friedhofs, 1869-1873
- 10/5355 Anlage eines neuen Friedhofs, 1895-1903
- 10/5348 Erwerbung eines neuen Kirchhofs, 1866-1884
- 600/617 Wohnung des Friedhofsaufsehers, 1889-1931
- 600/585 Totengräberwohnung nebst Kapelle, 1902-1912
􀂃 Quellen Hausaktenarchiv, Bismarckstraße 130:
- Akte Sternbuschweg 295
- Akte Sternbuschweg 297
- Akte Sternbuschweg 299
- Akte Waldstrasse 100
􀂃 Primärliteratur:
- Vera Schmidt: Kirchhofsunruhen und ein gestohlenes Hochkreuz. Eine kleine
Geschichte der Kommunalfriedhöfe Duisburgs im 19. Jahrhundert, in: Duisburger
Forschungen Band 45, Mercator-Verlag, Duisburg 2000.
- Friedhelm Jung (Hrsg.): Kleine Geschichte Duisburger Friedhöfe. Band 1: Der
Friedhof am Sternbuschweg, WAZ Druck, Duisburg 2003.
􀂃 Sekundärliteratur:
Claudia Denk, John Ziesemer (Hrsg).: Der bürgerliche Tod. Städtische
Bestattungskultur von der Aufklärung bis zum frühen 20. Jahrhundert, Verlag
Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2007.

Auswertung der Prüfung der Kriterien für die Bedeutung
Die Bedeutung im Sinne des § 2 DSchG NRW wurde für die folgenden Kriterien
nachgewiesen:
• Städte und Siedlungen
Auswertung der Prüfung der Kriterien für die Erhaltung und Nutzung
Die Gründe für die Erhaltung und Nutzung im Sinne des § 2 DSchG NRW wurden für die
folgenden Kriterien nachgewiesen:
• künstlerische Gründe
• wissenschaftliche Gründe
Auswertung der Prüfung der Denkmalbegriffsbestimmungen
Die Denkmaleigenschaften im Sinne von § 2 DSchG NRW sind vorhanden.

Lageplan und Felder