Denkmal in Neudorf-Nord

Denkmalschutz - Industriellenvilla mit Garagengebäude und Parkanlage

Küppers -Villa in Neudorf

Die Industriellenvilla mit Garagenhaus und Parkanlage ist bedeutend für die Städte und Siedlungen, hier Duisburg-Neudorf. Für ihre Erhaltung und angemessene Nutzung liegen künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe vor.

Problembeschreibung -  Begründung
Die Industriellenvilla mit Garagenhaus und Parkanlage wurde am 20.04.2007 gemäß § 4 Denkmalschutzgesetz von Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW) vorläufig in die Denkmalliste der Stadt Duisburg eingetragen, um zu gewährleisten, dass erforderliche Sanierungsmaßnahmen denkmalgerecht durchgeführt werden. Gegen die Eintragung legten die Eigentümer der Gebäude Widerspruch ein. Das Wohnhaus stand vor UnterschutzsteIlung bereits zum Verkauf und erste nicht denkmalgerechte Fenstererneuerungsmaßnahmen waren durchgeführt worden.
Am 07.09.2007 nahm der Eigentümer des Villengebäudes den Widerspruch zurück. Die Erbengemeinschaft als Eigentümer der verbleibenden Grundstücksfläche mit Garagengebäude halten ihren Widerspruch jedoch aufrecht.
Das Villengebäude wurde zwischenzeitlich an einen Privateigentümer veräußert. Alle Sanierungsmaßnahmen die zur Nutzung und Erhaltung des Gebäudes notwendig waren, sind in enger Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde geplant und abgestimmt worden.

Der vorliegende Unterschutzstellungstext, zu dem der LVR/ RhAD mit Schreiben vom 04.05.2007 das gemäß § 21 Abs. 4 DSchG NRW erforderliche Benehmen hergestellt hat, benennt alle wesentlichen, das Denkmal konstituierenden Elemente und liefert die Begründung für die UnterschutzsteIlung im Sinne von § 2, Abs. 1 DSchG NRW: "Denkmäler sind Sachen, Mehrheiten von Sachen und Teile von Sachen, an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht. Ein öffentliches Interesse besteht, wenn die Sachen bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse sind und für die Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen. "
 

Geschichte und Lage
Das Wohnhaus Mülheimer Str. 214 und das Garagengebäude quer zur Straße Zum Drachensteig 1 wurden 1929/30 im damals mit ,Walddreieck' bezeichneten Areal südlich der Mülheimer Straße unweit vom Duisburger Stadtwald und Grenze zu Mülheim-Speldorf erbaut. Architekt war Rudolf Kuckelmann aus Homberg, Bauherr der Wirtschaftsbürger Max Küppers (*1898). Dieser entstammte einer Hornberger Müller- und Reederfamilie, die u.a. die Hornberger Küppersmühle (heute: Plangemühle) betrieb, und wohnte zuvor in Broich­Speldorf im nahen Mülheim, das um 1900 als ,Stadt der Millionäre' galt. Max Küppers war der Schwager von Rudolf Kuckelmann und war u.a. leitend in der Firma seines Schwiegervaters, der Wasserbaufirma Hülskens in Wesei, tätig sowie Direktor der Niederrheinischen Bank AG.
Das Walddreieck wird heute im Norden (gegenüber des Duisburger Zoos) von einer parallel zur mehrspurig ausgebauten Mülheimer Straße verlaufenden gleichnamigen Erschließungsstraße, im Südosten vom Brehmsweg und dem hier diesseits der nahen Autobahn A3 liegenden Abschnitt des Duisburger Stadtwaldes sowie im Westen vom Areal der Duisburger Gerhard-Mercator-Universität begrenzt.
Das vormals städtische Areal war Ende der 1920er Jahre für eine gehobene Villenbebauung vorgesehen; zeitgleich mit der Villa Max Küppers entstand etwa auf dem Nachbargrundstück Mülheimer Str. 216 das Wohnhaus des damaligen Oberbürgermeisters. Traufhöhen und Abmessungen dieser Villa durften die benachbarte Industriellenvilla Küppers nicht überschreiten (und eine erste Planung Kuckelmanns musste entsprechend in den Abmessungen und Raumhöhen reduziert werden).

 

 

 

 

 

Beschreibung
Rudolf Kuckelmann realisierte eine zweigeschossige herrschaftliche Villa mit Sockel und hinter der Traufe ansetzendem Walmdach. Der blockhafte Bau mit fünf Fensterachsen an den Längsseiten und zwei Fensterachsen an den Schmalseiten ist mit Tuffstein verkleidet, aus dem auch die spätbarock-klassizistischen Dekorelemente gearbeitet sind, der Sockel besteht aus Muschelkalk. Das äußere Baudekor beschränkt sich auf wenige Elemente: die Rahmungen der Fenster und Türen, die Traufgesimse sowie ein die Traufe über dem Eingang mittig durchbrechender, appliziert wirkender Sprenggiebel, der einen Putto mit zwei Fischen und Wellenmotiv zu seinen Füßen umschließt. Die Ecken des Gebäudes sind ohne weitere Gliederung, das Bauwerk wirkt dadurch kraftvoll-kubisch.
Die mittleren drei Fensterachsen der nördlichen Eingangsfassade springen erdgeschossig leicht vor die Fassadenflucht, der mittige Eingang mit der erhaltenen neubarocken Tür ist nochmals halbrund vorgezogen. Die darüberliegende Fensterachse ist zu einer Fenstertür hinabgezogen und erlaubt einen Austritt auf einem halbrunden, über dem Eingang liegenden Balkon mit schmiedeeisernem Gitter. Dieses Gitter zeigt ebenso beschwingte neu barocke Gliederungen wie die vorgesetzten Brüstungsgitter unterhalb der beiden seitlichen Erdgeschossfenster.

Die westliche Seitenfassade (an der Straße Zum Drachensteig) weist im Erdgeschoss zwei Fensterachsen auf - ebenfalls mit Brüstungsgitter unterhalb des Fensters - im Obergeschoss hingegen ein mittiges Fenster.
In der Gartenfassade sind die mittleren drei Achsen zusammengerückt und deuten besonders repräsentative Räumlichkeiten an; die erdgeschossigen Fenstertüren führen auf eine vorgelagerte Terrasse. An der südöstlichen Seite der Gartenfassade ist ein Wintergarten (als 5/8-Kreis) angefügt, der von einer Terrasse mit schmiedeeisernem Gitter bedeckt ist. Die gekrümmten Vertikalschiebefenster des Wintergartens sind ohne Sprossen, während die übrigen Fenster - auch dieser Vertikalschiebefenster - und die Fenstertüren eine Sprossenteilung besitzen. Eine halbhohe Terrassen-Brüstung an der südwestlichen Seite spiegelt einen Teil des Wintergarten-Grundrisses und nimmt so den symmetrischen Gestaltungsansatz des Außenbaus auf.
Der mittlere erdgeschossige Teil der zum benachbarten Haus Mülheimer Straße 216 weisenden östlichen Seitenfassade steht deutlich vor der Fassadenflucht, darüber liegt eine weitere, vom Oberschoss zugängliche rechtwinklige Terrasse mit schmiedeeisernem Gitter. An der nordöstlichen Innenecke liegt ein etwas verdeckter Nebenzugang.
Die eher konservative späthistoristische Architektur des Außenbaus setzt sich auch in der innerräumlichen Gliederung und Ausgestaltung fort. Im erhöht liegenden Erdgeschoss befinden sich die Repräsentationsräume mit einem seitlich anschließenden Küchenbereich, im Obergeschoss sind die privaten Wohn- und Schlafräume der Familien, während im Keller die Hauswirtschafts- und Lagerräume und im Dachgeschoss die Quartiere der Bediensteten liegen.
Die mittleren drei Raumachsen hinter dem Eingang (mit marmorbekleidetem Windfang) nimmt die Eingangshalle ein, ursprünglich mit Kamin gegenüber dem Eingang. In deren südöstlicher Raumecke ist eine halbgewendelte, nach Osten verschwenkte Treppe in das Obergeschoss angeordnet. Nach Süden schließt an die Eingangshalle die zentrale, durch die genannten drei Fenstertüren zum Garten orientierte Gartenhalle an; zur Eingangshalle ist ein schmalerer und niedrigerer, zur Gartenhalle offener Raumteil mit Kamin angeschlossen. Westlich der Eingangshalle liegt das Herrenzimmer, westlich der Gartenhalle das Musikzimmer (=Damenzimmer) - auch hier noch eine klassische, nach Geschlechtern getrennte Raumfolge. Östlich neben der Gartenhalle liegt das Speisezimmer mit dem vorgelagerten Wintergarten. An dieses Speisezimmer grenzen die Wirtschaftsräume an:
unter dem Balkon liegt abermals westlich die Anrichte, nördlich von Anrichte und Speisezimmer ist die Küche angeordnet. Ein schmaler Raumstreifen zwischen der Küche und der westlichen Achse der Eingangsfassade ist mit einer von der Eingangshalle  zugänglichen Ankleide mit WC und dem erwähnten Nebeneingang. Die privaten Wohn- und Schlafräume im Obergeschoss sind an einem quer liegenden Mittelgang zweihüftig organisiert, wobei die Raumstrukturen nicht vollständig erhalten sind. An der Gartenseite erstreckten sich über vier Fensterachsen die Räume der Eltern; an ein opulentes, bis heute bauzeitlich erhaltenes Bad an der Südwestecke schloss das eine Fensterachse breite Ankleidezimmer und das Elternschlafzimmer an, den Abschluss bildete ein zum Balkon über dem Wintergarten orientiertes Zimmer. Das Zimmer an der westlichen
Stirnseite des Ganges und die drei Zimmer an der Nordfassade (davon ein mittiges Gästezimmer mit eigenem Waschtisch) teilten sich hingegen ein ebenfalls bauzeitlich erhaltenes Bad (zweite Fensterachse von Westen). Eine versetzt angeordnete Treppe erschließt das Dachgeschoss, dessen Dachstuhl nach Kriegszerstörung erneuert wurde.
Das Kellergeschoss ist über eine einläufige Treppe aus der Küche zugänglich; auffallend ist der Verzicht auf eine separate Nebentreppe für die Bediensteten. Gleichwohl ist eine traditionelle Verzahnung von Repräsentations-, Wohn-, Wirtschafts- und Bedienstetenräumen angelegt.

Umfang des Denkmals
Das Hauptgebäude Außen und Innen, einschließlich aller Einbauten wie beschrieben, mit Freiraumplanung nebst Einfassung und Garagenhaus.
Begründung des Denkmalwertes

Die kleine Villensiedlung an der Mülheimer Straße bildet einen bedeutenden gehobenen Wohnbezirk am Rande des Duisburger Stadtwaldes der späten 1920er Jahre und setzt dort einen urbanen Kontrapunkt zu den großzügigen älteren bürgerlichen Wohnsitzen im Duisburger Stadtwald (etwa der Wolfsburg und dem Haus Hartenfels) und in der Broich-Speldorfer Gartenstadt. Die Bedeutung dieses Quartiers unterstreicht der zeitgleich zur Villa Max Küppers erbaute benachbarte Wohnsitz des Duisburger Oberbürgermeisters, dessen Kommune in jenem Jahr durch Eingemeindungen stark gewachsen und an Bedeutung gewonnen hatte. Für den aus Mülheim kommenden Besucher bildete die Villensiedlung an der Mülheimer Straße ein bedeutendes Entree, auch wenn diese heute durch einen Grünstreifen mit dichtem Baumbestand von der mehrspurigen Straße abgeschottet ist. Die Villa Max Küppers liegt an zentraler Stelle dieser Siedlung und sucht auch in der materiellen Opulenz der Fassade die benachbarten Bauten zu übertrumpfen. Die Villa wurde von einem führenden Repräsentanten der regionalen wirtschaftsbürgerlichen Elite errichtet, dessen Familie in Homberg und Duisburg hohe wirtschaftliche Wirkmacht entfaltete, die Villa ist deutlich als Ausdruck der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung des Bauherrn angelegt. Als bedeutendes Bauwerk innerhalb der Villensiedlung sind daher Wohnhaus, Nebengebäude und Gartenanlage der Villa Max Küppers bedeutend für Städte und Siedlungen, insbesondere für die Entwicklung der Stadt Duisburg.
Der Hornberger Architekt Rudolf Kuckelmann gehört zu den eher regional tätigen Architekten. Gleichwohl ist mit der Villa Max Küppers ein neubarockes Gesamtkunstwerk geschaffen worden, diese ist als späthistoristischer Villenbau in einem Guss durchgestaltet und von einheitlicher, auf die unterschiedlichen Bereiche des Hauses abgestimmter Gestaltungshöhe. Im Kontrast sowohl zu den Villen und Landhäusern der Klassischen Moderne als auch zu den Wohnsitzen der sog. Konservativen Moderne etwa eines Heinrich Tessenow zeigt der Wohnsitz eine stimmige Interpretation neu barocker Formen, ohne seine Zeitgenossenschaft zu verleugnen. Für den Erhalt sprechen somit auch künstlerische Gründe.

Die Villa Max Küppers (1898 - 1985, Foto Archiv Hans-Willi Bütefür) stellt einen in bemerkenswertem Erhaltungszustand überkommenen gehobenen bürgerlichen Wohnsitz dar. Die hochwertige wandfeste Ausstattung, die auf der
Höhe der Zeit stehende Haustechnik (mit vollständig erhaltenen Bädern und einer Sell-Küche) und die gute Erhaltung der Gesamtanlage inkl. Garten- und Freiraumgestaltung bieten ein seltenes Beispiel für einen eher konservativ angelegten, repräsentativen Industriellenwohnsitz. Der Wohnsitz erlaubt trotz einzelner Verluste - etwa des Ankleidezimmers - einen umfassenden Blick auf bürgerliche Wohnkultur am Ende des ersten Jahrhundertdrittels, in einer Zeit, als große wirtschaftsbürgerliche Wohnsitze nicht mehr in dem Umfang wie noch im Deutschen Kaiserreich der Jahrhundertwende erbaut wurden. Für den Erhalt sprechen insofern auch wissenschaftliche Gründe.
Das Garagengebäude "Zum Drachensteig 1" ist bedeutend für Städte und Siedlungen, hier Duisburg-Neudorf. Das gleichzeitig mit der Industriellenvilla entstandene Gebäude steht mit diesem in engem funktionalen wie städtebaulichem Zusammenhang.
Mit steigendem Individualverkehr wurden Autogaragen in den 1920er Jahren ein wichtiges neu es Aufgabengebiet in der Architektur (1925: 174.665 /1930: 501.254 zugelassene PKW im Deutschen Reich; Quelle: Conradi, S.77). Entwurfhandbücher und Fachzeitschriften beschäftigten sich folglich mit diesem in der Breite neuen Thema, eine Reichsgaragenbauordnung wurde erst 1931 verabschiedet. Bei privaten Einzelgaragen war der Reglungsbedarf hinsichtlich gestalterischer und technischer Lösungen naturgemäß am geringsten, zumal es hier, wie im vorliegenden Fall, direkte Traditionslinien zu Remisen und
Kutscherhäuschen der vormotorisierten Zeit gab. Das Garagengebäude dokumentiert insofern ein heute wieder selten gewordenes, bautypologisch jedoch wichtiges Zeugnis einer frühen Autogarage. Für deren Erhalt sprechen deshalb wissenschaftliche, hier architekturhistorische Gründe. Die Villa Max Küppers bildet mit den umgebenden Villen im ,Walddreieck' am Kaiserberg gegenüber des 1934 eröffneten Duisburger Tierparks ein wichtiges Ensemble, das als Entree der Stadt für die aus Mülheim kommenden Besucher diente. Die Villa Max Küppers stellt innerhalb dieser Anlage einen herausragenden Bau an zentraler Stelle in der Flucht der Mülheimer Straße dar. Für den Erhalt sprechen städtebauliche Gründe.