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Alte Neudorfer Tradition: “Hamburger Happen nach Rochus Art“ ein Thema beim Bürgervereins-Stammtisch |
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Rochus — Ein Name geht in die Geschichte ein 4. Juli 2011 - aufgezeichnet von Stefan Pelzer
Stefan Pelzer trug die Geschichte über den Hamburger Happen beim Stammtisch vor Duisburg-Neudorf, 6. Juli 2011 - Schaut man sich im Dschungel der heutigen Fastfoodangebote um, so ist die Angebotsdichte kaum noch zu übertreffen. Nach dem Motto „All You Can Eat“ überfielen neben den amerikanischen Burgern und Fingerfood‘s Pizza, Pasta, Döner & Co-Flyer die Briefkästen. Den Blick auf einzelne Gerichte gewendet, führt schnell zur Bildung von Legenden, wie z.B. die der Currywurst, die es bis zur Vertonung von Herbert Grönemeyer und sogar zum eigenen Currywurstmuseum in Berlin gebracht hat. Noch heute gibt es Streit zwischen Hamburg und Berlin über den Ort der ersten Currywurst. Eine ganz besondere Geschichte, die vor unserer Haustür in Duisburg — Neudorf seinen Lauf nahm, rankt sich um den Duisburger Rochus Styrnol, Erfinder und Namensgeber der Hamburger Happen mit Rochus-Sauce. Rochus wurde 1917 in Oppeln (heutiges Polen) geboren. Schon bald nach dem Ende seiner Lehre zum Metzger und Koch musste er zum Militär. Kurz darauf begann der zweite Weltkrieg, den er vom ersten bis zum letzten Tag, einschließlich Verlängerung - also russischer Gefangenschaft, miterlebte. Mit seinen beruflichen Kenntnissen wurde er zur Versorgung der Kompanie häufig in der Küche eingesetzt. Eines seiner Talente wurde aufgrund der meist schlechten Versorgung mit Lebensmitteln gefördert: “Aus Nix was Leckeres zu machen!“. Eine Begabung, die gerade im Nachkriegsdeutschland nicht zu unterschätzen war. Nach
der Gefangenschaft in Duisburg angekommen, entschloss sich die Familie Styrnol
1964 einen kleinen Imbiss auf dem Stembuschweg 154 in Neudorf zu pachten.
Bereits ein Jahr nach Eröffnung des Schnellimbisses, 1965, erfand Rochus den
Hamburger mit der ganz speziellen Sauce, die seinen Namen tragen sollte. Eigentlich hieß die Kreation aus frittiertem Schweinefleisch — das in seiner Konsistenz mit Leberkäse vergleichbar ist - und der Rochus-Sauce Hamburger. Erst im Jahre 1966 wurde der Begriff Hamburger geschützt und durfte von der Neudorfer Familie nicht mehr angewendet werden. So hieß es fortan Hamburger Happen. Gedacht waren die Hamburger als Spezialität, die der Konkurrenz (die zweite Pommesbude in Duisburg-Marxloh „Peter Pomm“) etwas entgegensetzen sollte. So verkaufte die Familie von da an Hamburger Happen mit Rochus-Sauce täglich ab 17.00 Uhr. Schon eine halbe Stunde vor Öffnung bildeten sich Schlangen hungriger Duisburger vor der noch verschlossenen Tür. Schnell entwickelte sich der Imbiss zum Zentrum Neudorfs. Bis weit in den Abend war es ein ständiges Kommen und Gehen. Vor dem Lokal reihte sich noch nachts Auto an Auto. Ob es die Sportler waren, die nach dem Training noch Hunger haften oder die Polizisten, die bei Schichtwechsel für sich und die Kollegen etwas zu essen holten. Jeder traf jeden, jeder kannte jeden. Oft genug setzte man sich an den Tisch im Imbiss und amüsierte sich bis in die Morgenstunden. Immer mit viel Sorgfalt und ausschließlich frischen Gewürzen und Zutaten wurden jeden Tag zwischen 50 und 70 Liter der beliebten Sauce auf einen eigens dafür angeschafften Hockerkocher hergestellt. „Viele kamen auch von weit her und nahmen dann in angelieferten Behältern direkt mehrere Liter Sauce und Hamburger mit“, berichtet Rainer Styrnol, einer der beiden Söhne der Familie. Ergänzt wird er von seinem Bruder Dietmar: „Die Zeit auf dem Sternbuschweg war wunderbar. Unsere Mutter, die im Laden stand, hatte die Gabe sich Namen, Gesichter und Geschichten zu merken. Ich glaube, dass das die Voraussetzung dafür war, dass sich bei uns so eine Art Zentrum oder Treffpunkt entwickelt hat. Bei uns landeten alle Neuigkeiten, ob Heirat, Todesfall oder durchzechte Nächte des Nachbarn“. Ein weiterer Grund für den Erfolg war die hohe Qualität des Essens. Gertrud Styrnol, oder besser bekannt unter dem Namen Frau “Rochus“, bereitete alles selbst frisch zu, hatte für alle ein offenes Ohr und jeden die richtige Ansprache. Die Portionen der Hamburger Happen wurden stets großzügig bemessen. Ein anonymer Teilnehmer eines Internetforums dazu: „Ich selber habe schon 1966 beim Rochus, noch auf dem Sternbuschweg, gegessen. Der kleine Mann war ein lieber Kerl, der bei Kritik an seinen Speisen immer noch was draufgelegt hat. Da haben wir natürlich des Öfteren gemeckert.“ 1979 verstarb Rochus Styrnol. Hinterlassen hat er nicht nur seinen Namen für die Neudorfer Spezialität, sondern auch die Rezeptur der Hamburger Rappen mit der unvergleichlichen Sauce — ein gut gehütetes Geheimnis. Seine Frau Gertrud hat den beliebten Imbiss bis ins Jahr 1996 weitergeführt und damit allen Hamburger Fans viel Genuss bereitet. In diesen Jahren wurden nicht nur die Duisburger Mäuler gestopft, sondern wöchentlich etwa 100 Liter Sauce in andere Regionen Deutschlands verkauft. Selbst in Rüsselsheim, Hamburg oder Berlin wollte man nicht auf diese unverwechselbare Rochus-Kreation verzichten.
Im Alter von 70 Jahren begab sich Frau “Rochus“ im Januar 1996, nach einem prall gefüllten Arbeitsleben, wohl verdient in den Ruhestand. Ab November 1995 legte sie ein Album aus, das den Kunden die Möglichkeit gab, ein paar Worte zur Beendigung dieser Ära niederzuschreiben. Die Einträge sprechen für sich: “Ich glaube, ich liebe Rochus: Die Bude gehört zu meinem Duisburger Leben. Herzlichkeit und Wärme IMMER!“ “Solange ich denken kann, war Rochus für mich und meine Familie DIE Pommesbude. Alles Liebe und Gute für den Ruhestand. Wir werden Sie vermissen.“ “Sogar bis zum Sauerland ist der Hamburger Happen von Rochus bekannt. Von 1964 bis 1995 haben wir ihn gegessen, dieses Essvergnügen werden wir nicht vergessen.“ “Ach, wie vermisse ich die Zeit, als ich noch als kleiner Junge mit freiem Oberkörper am Flipper stand. Vielen Dank für die tollen Jahre und alles Gute.“ “Mit 17 aß ich zum ersten Mal hier. In den folgenden 20 Jahren wechselte ich Freunde, Schule, Wohnung, Ortsteil — nur die Pommesbude nicht. Die zweite Generation isst auch schon mit!“ Mit Frau “Rochus“ gingen allerdings nicht gleichzeitig die Hamburger Happen in Pension. Lediglich 150 m entfernt, Graben- Ecke Oststraße, geht die Geschichte im Antalya Grill weiter. Neben bekannten türkischen Gerichten bietet Dogan Uzuner mit seinem Team den Klassiker “Hamburger Happen nach Rochus Art“ weiterhin an.
Ebenso unter ausschließlicher Verwendung frischer Gewürze und viel Liebe zum Detail werden die Hamburger Happen nach alter Tradition in Neudorf zubereitet. So sind heute im Antalya-Grill beim Biss in den Happen strahlende Gesichter zu beobachten. Besondere Momente entstehen dann, wenn der Großvater seinem Enkel von seiner ersten Portion Hamburger Happen am Sternbuschweg erzählt. Dann denkt man so bei sich: Ach, guck mal, wir sind schon bei der dritten Generation. Und wieder trifft man sich am Tisch im Imbiss, tratscht und amüsiert sich, bei alten Geschichten über den Rochus. Dieser Text im Gedenken an die 2010 verstorbene Frau Gertrud ‘Rochus“ Styrnol entstanden. Vielen Dank Frau „Rochus“!
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